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Werfen und Wurfstile mit der Fliegenrute Drucken E-Mail
Geschrieben von: Florian Böttcher   
Sonntag, den 01. Februar 2009 um 10:57 Uhr

Einleitung:

 

Den Wurf mit der Fliegenrute zu erlernen ist wohl die schwierigste Hürde auf dem Weg zum Fliegenfischer. Das soll aber nicht heißen, dass dies ein äußerst schwieriges Unterfangen ist, ganz im Gegenteil! Den Wurf selbst zu erlernen ist an sich relativ einfach, wenn man eine Person hat, die einem die grundlegenden Dinge beibringt. Danach folgt dann immer wieder üben, üben, üben. Hat man den einfachen Grundwurf, den Überkopfwurf, erst einmal raus, kann man sich mit weiterführenden Würfen, wie z.B. dem Rollwurf, dem Switchcast und verschiedenen Trickwürfen beschäftigen um das Werfen mit eingeschränktem Rückraum möglich zu machen oder die verschiedenen Strömungsverhältnisse in einem Fluss auszugleichen.

Im Bezug auf das generelle erlernen der Technik sei unseren Vereinsmitgliedern an dieser Stelle noch mal der Vereinseigene Kurs ans Herz gelegt.

Wenn man dann das Werfen etwas mehr beherrscht, wird man im Laufe der Zeit feststellen, dass man mit einer anderen Handhaltung oder etwas anderen Beistellung noch effektiver werfen kann. Dann ist man im Begriff den eigenen Wurfstil herauszuarbeiten.

Werfen und Wurstile:

 

Fliegenwerfen im FlussWas braucht man zum fischen (und werfen)? Richtig: Eine Rute, eine Rolle und Schnur. Wichtig ist, dass alle drei zueinander passen. So sollte z.B. nicht eine „schwere“ Alurolle mit Bremse und einem Gewicht von ca. 150g an einer kleinen Bachrute mit gerade mal 50g hängen und Umgekehrt (sehr leichte Rolle an relativ schwerer Rute) ist auch nicht gut. Wichtig ist, dass man ausgeglichenes Gerät in der Hand hält, da sonst das werfen sehr schnell ermüdet, da wir ständig das Ungleichgewicht zwischen Rute und Rolle unter Einsatz unserer Muskeln ausgleichen müssen. Ideal ist das Verhältnis, wenn die aufgebaute Rute mit angeschraubter Rolle und aufgespulter Schnur sich am oberen Ende des Griffs auf einem Finger ausbalancieren lässt.

Des Weiteren sollte natürlich auch die Schnur zur Rute passen, was nicht unbedingt heißen muss, dass die angegebenen Klassen übereinstimmen, da viel schnüre von Haus aus ca. 0,5 bis 1 Klasse zu schwer oder teilweise auch zu leicht sind. Da hilft nur ausprobieren und nachwiegen.

Eine Kleinigkeit zur Rute wäre noch zu sagen. Und zwar gibt es für Einhandruten zig verschiedene Griffformen. Die Verbreitetesten sind der Full Wells und der Half Wells (Bilder gibt’s bei Google). Dieser ist Wichtig im Bezug auf die Handhaltung beim Werfen. Da es jedem selber überlassen ist er seine Rute hält, würde ich einem Anfänger zu einem Half Wells raten, da man diesen sowohl mit dem Daumengriff als auch mit dem Zeigefinger- und dem „Zwickel“-griff halten kann.

Der genannte Daumengriff gehört traditionell zum englischen Stil, daher passt der Full Wells Griff am besten zu diesem Wurfstil, da dieser den Daumengriff am besten unterstützt.

Der „Zeigefingergriff“ ist die favorisierte Handhaltung von Herrn Gebetsroither und damit passend zu dem nach ihm benannten Wurfstil. Die Zeigefingerhaltung harmoniert am besten mit einem Half Wells Griff, da dieser vorne verjüngt ist und daher das auflegen des Zeigefingers sehr angenehm ist.

Der „Zwickelgriff“ ist eine eher fortgeschrittene Handhaltung aber sehr effektiv.

Generell lässt sich aber jeder Griff mit jeder Handhaltung halten, nur eben mit entsprechendem „Comfort“.

Nun aber mal zum Wurf selbst. Der Wurf basiert auf einfachen Zusammenhängen der Physik und ist daher von eigentlich jedem leicht zu erlernen. Jeder Einsteiger, der zum ersten Mal eine Fliegenrute in der Hand hält ist dazu geneigt die Schnur mit wedelnden Bewegungen auszuwerfen. Das wichtigste ist jedoch das exakte Einhalten der Stopppunkte bei ca. 11 und 13 Uhr (auf einer Imaginären Uhr). Diese Stopps dienen dazu, die in der Rute aufgebaute Energie auf die Schnur zu übertragen und diese mit einer schönen, engen Schlaufe auf geradem Weg zum Fisch zu befördern. Ein bekannter Wurflehrer, Michael Mauri, erzählt seinen Schülern, sie sollen keine stopps halten, womit er insgesamt nicht unrecht hat, sondern in eins in die Liftphase überzugehen. Was er nicht sagt, ist das er sogar einen sehr harten stopp macht, diesen aber geschickt versteckt.

Damit wären wir auch schon im Bereich Wurfstile. Es gibt insgesamt sehr viele verschiedene spezielle Wurfstile wie z.B. den englischen Wurfstil, den Gebetsroither Stil oder die TLT Technik. Der Grundlegende Überkopfwurf entspricht dem klassischen englischen Stil, Würfe wie der Switchcast leiten sich aus dem Gebetsroither Stil ab, bei dem die Schnur beim Rückschwung nicht oberhalb sondern unterhalb der Rutenspitze vorbeigeführt wird.

 

Dem Einsteiger ins Fliegenfischen sei generell zum Besuch einer Wurfschule geraten, sei es im Verein oder bei irgendeinem anderen Lehrer. Wichtig ist nur, dass man das Werfen von Anfang an richtig lernt, da man sich sonst Fehler angewöhnt, die später nur schwer wieder zu beheben sind (ich spreche da auch aus eigener Erfahrung).

Zum Erlernen der weiterführenden Wurftechniken die für spezielle Gewässerbedingungen entwickelt wurden ist ein guter, geübter Werfer als Lehrer anzuraten.

 

Weiterführende Würfe und Trick-Casts:

 

Zu den weiterführenden oder fortgeschrittenen aber mittlerweile nicht mehr wegzudenkenden Würfen zählt als Paradebeispiel der Switchcast. Dabei handelt es sich um einen nicht vollständig ausgeführten Gebethsroiter Rückschwung, wodurch die Schnur neben dem Fischer auf dem Wasser „ankert“. Die dadurch entstehenden Kräfte werden genutzt um die Rute bei Vorschwung aufzuladen und die nötige Energie für den Wurf in die Rute zu bekommen. Der Switchcast gehört mittlerweile zu den Wichtigsten Würfen die ein Fliegenfischer beherrschen sollte, da er uns die Möglichkeit gibt auf sehr engem Raum, z.B. durch einen Baum im Rücken oder ein hohes Ufer, trotzdem noch vernünftige Weiten zu erreichen, was mit einem einfachen Rollwurf nicht mehr der Fall ist und sich jeder Trickwurf der mit dem Überkopfwurf funktioniert auch mit dem Switchcast ausführen lässt.

 

Fliegenwerfen Halbinsel im MorgennebelAls nächstes möchte ich den Fallschirmwurf (Parachute-Cast) vorstellen. Bei diesem Wurf ist es das Ziel, anders als beim Standardwurf, die Schnur nicht gestreckt auf dem Wasser abzulegen sondern gezielt den vorderen Bereich samt Vorfach zusammenbrechen zu lassen. Dies ist von Vorteil, wenn man z.B. dafür sorgen möchte, dass die Nympfe schneller absinkt oder die Trockenfliege ohne zu „Dreggen“, d.h. auf der Oberfläche zu furchen, auf den Standplatz eines Fisches zutreibt.

Der Wurf unterscheidet sich zum Standardwurf durch eine Verlagerung des Wurfwinkels nach schräg oben vorne. Man lässt also die Schnur nicht horizontal über den Boden sondern schräg nach oben schiessen wobei man nach dem Stopp die Rutenspitze sofort bis kurz über die Wasseroberfläche/den Boden absenkt um Energie aus dem Wurf zu nehmen und den Spitzenteil zusammenbrechen zu lassen. Dieser Wurf erfordert einiges an Übung, beherrscht man ihn jedoch ist er ein sehr gutes Hilfsmittel beim effektiven fischen.


Als Vertreter der Absoluten Trickwürfe möchte ich hier den Voodoo-Cast vorstellen, der mehr als Show-Wurf gedacht ist als als Wurf zum fischen.

Der Wurf selber besteht aus zwei alternierenden Rollen, die beim Abheben der Schnur mit der Rutenspitze geformt werden. Die erste Rolle wird dabei links herum gedreht und die Zweite, welche Räumlich betrachte unter der Ersten liegt, wird rechts herum gedreht. Die Schnur wird nach den beiden Rollen in gleichmäßigem Tempo zum Switchcast ausgelegt und dann wird geworfen. Wer diesen Wurf mal sehen möchte, dem Rate ich dazu bei Youtube oder ähnlichem Fliegenfischen/-werfen oder Flycasting/-fishing einzugeben und sich den Trailer von Mauris DVD anzusehen oder das Video „Flycasting Extreme – advanced trick casts“ von S.Dombaj anzusehen.

 

Abschliessend möchte ich noch einmal wiederholen, dass man sich das Werfen zwar selber beibringen kann, die vermeidung von Fehlern und das effektive Werfen in kurzer Zeit aber nur duch einen guten Lehrer zu erlernen ist.

Falls sich jemand die besagten Videos mal ansieht und sich fragt woher die das alles können, dass sind Personen, die den Großteil ihrer Zeit damit verbringen zu fischen und zu werfen. Das ganze Geheimnis ist Übung, Übung, Übung!!

Für Verbesserungen und/oder Anmerkungen bin ich im Forum als Snap-T (auch ein Trickwurf) zu erreichen.

Jegliche in diesem Artikel genannten Firmen oder Namen dienen nur zur Illustration und sollen keinerlei Werbetechnischen Zweck erfüllen!


Vielen Dank vom Verein an Florian - für diesen sehr schönen Artikel!

 

 
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