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 Dieser Artikel soll das "normale" Brandungsangeln erläutern. Spezielle Brandungsangelmethoden, wie z.B. auf Hai und Rochen von englischen Stränden werden nicht mit erklärt.
Allgemein
Das Brandungsangeln kann grundsätzlich als Ansitzangeln an der Küste bezeichnet werden. Dies ist natürlich auch ohne Brandung und bei ablandigem Wind betreibar, allerdings erhöhen einige Umweltbedingungen die Fangerfolge und Stückgrößen wesentlich:
-Die richtige Jahreszeit: die besten Dorsch-Fänge werden vor allem im Frühjahr und im Herbst gemacht. Besonders die Plattfische sind im Herbst wohlgenährt und schmecken am besten. (Die Maischolle ist leider ein Marketing-Gag, der noch immer ganze Ausflugslokale an den Küsten füllt.). Im Sommer gehts dafür gut auf Aal von der Küste, die häufig in nur 1-2 m Entfernung vom Ufer durch die 1. Rinne ziehen.
-Auflandiger Wind, der viel Brandung entstehen läßt, wobei viel Nahrung frei gespült wird und insbesondere große Dorsche zum Fressen näher unter Land kommen. Außerdem beißen die Fische im stark aufgewühlten Wasser unvorsichtiger.

-Dämmerung und Dunkelheit. In dieser Zeit kommen die Fische im Schutz der Dunkelheit deutlich näher unter Land.
Fische
"Zielfisch" Nr. 1 beim Brandungsangeln ist der Dorsch, gleich gefolgt von den Plattfischen Flunder, Kliesche und Scholle. I.d.R. wird man hierbei deutlich mehr Flundern und Klieschen fangen, da die größeren Schollen meist tiefer stehen. Neben diesen üblichen Arten ist aber ab und zu auch immer mit Überraschungen zu rechnen. Hierzu gehören weitere Plattfischarten, wie z.B. der Steinbutt oder Wittlinge, Aalmutter, Petermännchen (Vorsicht: giftige Rückenflosse), Aale und andere - sich nach Region unterscheidene Arten. Auch Meerforellen oder Lachse sind schon beim Brandungsangeln gefangen worden.
Der Strand / die Küste
Man unterscheidet beim Brandungsangeln Sandstrand, Steinstrand und gemischten Strand. Je nach Ort muss dies bei den Montagen und bei der Wahl des Rutenständers bedacht werden. Unter Wasser setzt sich der Boden häufig entsprechend fort. Unter Wasser nennt man den gemischten Grund auch Leopardengrund, weil es beim Blick von oben auf das Wassers entsprechend gemustert aussieht. Sofern es möglich ist, sollte man sich die Strände von einem erhöhten Punkt (Klippe, Düne, Steilküste) mal anschauen, da man dann schon sehen kann, wie sich der Strandabschnitt unter Wasser gestaltet. Außerdem kann man so evtl. auch sehen, wo weiter draußen eine Sandbank ist und wo die Rinnen am Strand verlaufen. Die Plattfische z.B. liegen tagsüber meist am Fuß der Sandbank zur Seeseite. An der Nordsee hat man zudem das Problem Tidengang. Darauf einzugehen würde hier aber zu weit führen.
Rute
Normalerweise haben Brandunsruten ein Wurfgewicht im Bereich von 100-250 Gramm und sind zwischen 3,60 m und 4,50 m lang. Allerdings sind für die einfache Aalangelei in einer Sommernacht und für geringe Windstärken für den Anfang starke Grundruten, Heavy-Feeder-Ruten oder entsprechende Karpfenruten ausreichend. Möchte man jedoch häufig bei starker Brandung fischen, so wird man um die Spezialruten nicht herum kommen, da es nur damit möglich ist, bis zu 250 Gramm schwere Krallenbleie gegen 6 Windstärken 100m hinaus zu "katapultieren". Möchte man sich intensiv mit dem Werfen auseinander setzen und ggf. auch Spezialwürfe lernen, so empfiehlt es sich auf eine Brandungsrute mit versetzbarem Rollenhalter zu achten. Hiermit kann der Winkel entsprechend der eigenen Körpergröße angepaßt werden und der Schwerpunkt der Rute kann durch das Gegengewicht der Rolle nach den eigenen Vorstellungen verändert werden.
Rolle
Als Rollen finden robuste, salzwasserfeste Weitwurfrollen Verwendung. Sie sollten ein Schnurfassungsvermögen von ca. 200m 0,30 Schnur haben. Eine hohe Übersetzung erleichtert zudem das Landen der Fische und das Einholen der weit ausgeworfenen Montagen.
Schnur, Schlagschnur, Keule
Bei der Schnur scheiden sich - wie bei eigentlich jeder Angelmethode - die Geister. Allgemein wichtig ist, dass man den enormen Kräften, die sich beim Aufladen der Rute während des Wurfes auf die Schnur übertragen, Rechnung trägt. Einfachstenfalls besteht die Möglichkeit die monofile Schnur oder das Geflecht von Anfang an entsprechend stark auszulegen. Die Nachteile bestehen hier darin, dass die sehr starke Schnur viel Platz auf der Rolle wegnimmt, dem Wind und Wellen unnötig viel Angriffsfläche bietet und die Wurfweite reduziert wird. Daher haben sich zwei Varianten durchgesetzt. Die eine Variante ist, die Hauptschnur so dünn wie möglich zu fischen und eine dickere Schlagschnur - z.B. mit einem doppelten Grinnerknoten - vorzuschalten. Die dicke der Haupt- und Schlagschnur richtet sich hierbei nach der Größe der auszuwerfenden Bleie und ein wenig nach dem zu erwartenden Grund. Auf reinem Sandgrund darf die Schnur etwas dünner ausfallen, als auf hänger- und abriebträchtigen Kiesgrund. Die andere Variante ist die Verwendung einer Keulenschnur (Taperline), die sich knotenlos verjüngt. Zudem sind diese Keulen alle 25 m unterschiedlich eingefärbt. So kann man die Wurfweite gut feststellen und fängige Bereiche schnell wieder finden. Es gibt auch "kleine" Keulen zum Vorknoten, so dass man bei einem Hänger meist nur die vorgeknotete Keule (Taper Tip) verliert und nicht die Hauptschnur an hinten gelegener Stelle reißt. Ein Beispiel für die Verjüngung einer recht kräftigen Keule ist von 0,57 auf 0,28 mm. Über 0,60 mm wird meist nicht hinaus gegangen. Als Länge einer selbstgeknoteten Schlagschnur nimmt man ca. die doppelte Rutenlänge.
Bleie
Blei ist hier als Gewicht zu verstehen. An vielen Stränden Skandinaviens ist Blei mittlerweile sogar verboten. Zum Brandungsangeln kommen meist Bleie zwischen 100 und 200 Gramm Gewicht zum Einsatz. Der Sinn des Bleies ist den Köder am Grund zu verankern und die Schnur - sofern gewünscht - auf Spannung stellen zu können. Die einzige Ausnahme stellen Rollbleie dar, die von der Unterströmung über den Strand gerollt werden und so weite Bereiche nach Plattfisch absuchen können. Die meisten Brandungsbleie haben eine Torpedoform, damit sie sich besser werfen lassen. Um bei extremen Bedingungen fischen zu können werden Krallenbleie verwendet. Seit einigen Jahren gibt es viele weitere Spezialbleie auf dem Markt, die z.B. eine floureszierende Kunststoffummantelung haben oder ein kleines Depot mit Löchern, in das sich Lockmittel einfüllen läßt.

Montagen / Vorfächer
Montagen gibt es soviel oder sowenig wie bei anderen Angelmethoden auch. Allerdings lassen sich fast alle auf einige Grundbestandteile zurückführen.
-Haken: Es finden meist langschenkelige Öhrhaken (Aberdeen, Plattfischhaken) in den Größen 2 bis 4/0 Verwendung. Neuerdings wird auch viel mit Circle-Hooks experimentiert. Bzgl. der Hakengröße habe ich eine Bitte an Euch: Verwendet keine Haken unter 1/0. Wenn man einmal gesehen hat, dass sich eine 10cm-Scholle einen 2/0er-Haken, der mit 2 Wattwürmern beködert ist, ohne größere Probleme einverleiben kann, versteht man warum. Plattfische schlucken zudem meist sehr tief, so dass fast alle untermaßigen Platten nicht überleben. (Circle-Hook ist hier besser, aber noch umstritten)
-Hauptschnur: Als Hauptschnur findet ein sehr steifes Monofil in den Stärken 0,60 bis 1,00 mm Verwendung. Bei der Standardmontage ist oben der Einhänger zur Hauptschnur und unten der Einhänger fürs Blei. Von der Hauptschnur gehen die Mundschnüre ab.
-Mundschnüre: Die Munschnüre sind meist aus Amnesia gebundene 0,25 bis 0,35 mm starke Schnüre in Längen von 20 bis 100 cm, die von der Hauptschnur abgehen. Am Ende der Mundschnur sitzt der Haken. Auf der Mundschnur können je nach Wunsch Lockperlen, Spinnerblättchen oder ähnliches angebracht werden. Die Lockperle dient zumeist als Wurmstopper und vor der Perle befindet sich ein Stopperknoten oder ein Gummistopper um die Länge der Perle dem Köder anzupassen. Die Munschnüre werden mit Dreieckswirbeln, Swivels oder anderen speziellen Verbinden an der Hauptschnur befestigt.
-Sonstiges: Es gibt nun auf Basis obiger Komponenten etliche Varianten. Die Länge der Mundschnüre wird zumeist nach den Wetter- Strand- und Fischbedingungen variiert. Der Einsatz von Lockmitteln variiert nach der gewünschten Fischart. Es gibt zudem sogenannte ImpactShields, die eine Art kleinen Trichter in das Wasser reißen wenn das Vorfach aufschlägt und so die darunter geclippten Würmer schützen. Clippen wird benutzt um die beköderten Mundschnüre an das gespannte Vorfach anzulegen. Dies ermöglicht ein "windschnittigeres" Vorfach und schützt die Würmer beim Wurf. Trifft das Blei auf dem Wasser auf, staucht sich das Vorfach und die Mundschnüre werden freigegeben. Ein weitere noch erwähenswerte Montage-Variante sind sog. Lift-Montagen. Der Grundgedanke ist hierbei, dass der beißende Dorsch das Blei selbst aus dem Leopardengrund zieht.
Sofern hier genügendes Interesse besteht, gibt es bestimmt die Möglichkeit einen Abend auf der Ricklinger Halbinsel zu veranstalten, auf dem Brandungsvorfächer selbst hergestellt werden.
Weitere sinnvolle Ausrüstung
-Knicklichthalter und Knicklichter für die Nacht
-Holzhammer für Plattfische
-Rutenständer oder Dreibein (Einfache Rutenständer funktionieren an Steinstränden kaum)
-Wassereimer zum Beschweren des Dreibeins und zum Waschen der Hände
-Maßbrett zum schnellen Messen der Fische
-Wattwurmnadel
-Kopflampe für die Nacht
-Beachrolley für den Transport und zum Sitzen
Köder
Der klassischste Köder beim Brandungsangeln ist der Wattwurm. Den Wattwurm kann man sich selber graben (pümpeln) oder frisch in den meisten Angelläden an der Küste kaufen. Gefolgt wird der Wattwurm vom Seeringelwurm. Diesen selbst zu graben ist deutlich schwieriger und auch er ist meist käuflich zu erwerben. Beide Würmer sind gekauft nicht gerade Schnäppchen, so dass es sich empfiehlt mit den Ködern sorgsam umzugehen. Man kann sie eingeschlagen und angefeuchtet in Papier einige Tage kühl lagern, wobei der Wattwurm nicht so lange haltbar ist wie der Seeringelwurm. Für das Anlödern empfiehlt sich eine hohle und sehr lange Wurmnadel, auf die man die Würmer aufzieht und dann auf den Haken schiebt. Die Hakenspitze darf ruhig frei bleiben. 2 Wattwürmer dürfen es dafür schon sein. Man kann aber auch einen "Cocktail" aus beiden Wurmarten verwenden. Alle anderen Köder sind in ihrer Fängigkeit meist weit abgeschlagen, sie sollten aber dennoch erwähnt werden. Besonders auf Plattfisch und Aal fangen Grönlandgarnelen (dän. rejer) gut. Man kann aber natürlich auch mit Fischfetzen angeln. Kunstköder - in den letzten Jahren wurde viel über Berkley-Gulp-Wattwürmer berichtet - fangen meist nur in starker Brandung einigermaßen überzeugend, wenn die Plastikwürmer durch die starke Strömung in Bewegung geraten und die Fische sehr unvorsichtig beißen. Es bleibt noch zu erwähnen, dass einige Brandungsangler ihre Köder "tunken" um noch mehr Lockwirkung zu erzielen. Diese "Tunken" bestehen meist aus Lebertran und anderen Fischsäften bis zu durchgedrehten Wattwürmern. Der Phantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt. Ihr Wirksamkeit ist umstritten. In einer ruhigen Sommernacht auf Aal erhöht man damit bestimmt seine Chancen, bei Windstärke 6 hingegen und tosender Brandung wird es wenig bringen, da die Tunke sofort abgespült wird und sich weiträumig verteilt.
Der Unterschied zwischen Kampf und Entspannung
Jeder soll nach seiner Auffassung seelig werden. So sind auch die folgenden Sätze zu verstehen. Allerdings möchte ich kurz versuchen ein paar Unterschiede aufzuzeigen um falsche Vorstellungen und Enttäuschungen zu verhinden. Ich setze mich z.B. gerne mal bei schönem, wenig windigen Wetter in die Dämmerung auf die ablandige Seite und lege meine Ruten aus. Bisse fische ich selten direkt an, sondern warte bis sich ein Fisch selbst deutlich gehakt hat. Nebenbei eine Dose ortsüblichen Bieres und der Sonnenuntergang - was braucht man mehr. Auf diese Weise darf man allerdings keine Massenfänge erwarten, sondern sollte sich freuen, wenn zwei Flundern fürs Abendessen zu zweit hängen bleiben. Möchte man "perfekt - was ist schon perfekt" Brandungsangeln, so wird dies schnell eine stressige Angelegenheit bei der höchste Konzentration gefordert ist. Optimale Bedingungen sind selten bequem, so dass man alles danach ausrichten muss. Die Fische - vor allem die Dorsche - ziehen meist in Trupps über die Strandabschnitte. Diese Trupps gilt es dann in kurzer Zeit zu erwischen, so dass man stets bemüht sein muss seine Ruten im Wasser zu halten, die gleichen Orte zu finden, die Vorfächer vorzubereiten, bereits zu beködern, die Vorfächer zu tauschen, den gefangen Fisch zu versorgen, und und und. Zudem ist die sehr gute Beißzeit meist recht kurz. Dafür kann man danach auch von sich behaupten "Sport" gemacht zu haben und die Fischkiste wird meist deutlich voller ausfallen. Aber wie schon geschrieben. Das muss jeder für sich selbst entscheiden.
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