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Jagd am Walchensee Drucken E-Mail
Geschrieben von: Martin Kandziora   
Montag, den 10. August 2009 um 00:00 Uhr

Dieser Beitrag hat am Autorenwettbewerb in der Kategorie Allgemeines Fischen teilgenommen und den x. Platz erreicht.


Als meine Freundin und ich Mitte Mai in den Urlaub aufbrachen, hatte ich keinen Schimmer welches Erlebnis mich dort erwartet. Ich hatte keinen Schimmer, dass ich eine neue Angelmethode kennen und lieben lernen würde. Ich hatte auch keinen Schimmer, dass wir in eine gefährliche Situation geraten würden.
Irgendwie konnten wir uns nicht recht entscheiden, wohin es dieses mal in den Urlaub gehen sollte und so entschieden wir, dass jeder über 10 Tage verfügen konnte.
Da ich nun Mitte 2008 das Angelhobby wieder für mich entdeckt habe und die Angelabstinenz nach 15 Jahren eine Ende hatte, wurde die Fachpresse energisch nach einem Angelurlaub durchwühlt. Nach kurzem Suchen und einer Buchungsanfrage stand schnell fest, dass es der Walchensee werden würde.

Irgendwie machte das Angelgepäck zwei Drittel des gesamten Reisegepäcks aus und es war etwas schwer den ganzen Kram im Auto unter zu bringen, aber es klappte dann doch und es konnte los gehen.
Warum nun eigentlich der Walchensee wird sich so mancher beim Lesen dieser Zeilen fragen.
Ganz einfach ... glaubt man den zahlreichen Werbeprospekten und Internetseiten der ansässigen Ferienwohnungsvermietern, so lassen sich im Walchensee sehr gute Fänge erzielen. Das Gewässer soll nicht hoffnungslos überangelt sein und Hechtbestand soll auch noch gut vorhanden sein.
Neben Hecht gibt es Regenbogen-, Bach- und Seeforellen sowie Saibling, Renke, Waller, Rutte und Barsch. Ein paar Weißfische sollen auch noch vorkommen.
Meine Nachforschungen im Internet ergaben einige sehr interessante Tatsachen.
Das Schonmaß für Forelle liegt bei 50 (fünfzig!!!) Zentimetern, für Hecht gibt es weder Schonzeit noch Schonmaß, was wohl auf einen mehr als guten Bestand hinweist.

Es ist der 21. Mai, kurz vor sechs als wir in Richtung Bayern aufbrechen.
Der 21. ein besonderer Tag, denn ich feierte meinen 36. Geburtstag. Es war aber meine eigene Wahl diesen Tag auf der Autobahn zu verbringen, hauptsächlich um den nervigen Anrufen der Verwandtschaft zu entgehen die glauben es wäre etwas tolles den vierzigern näher zu rücken.
513 Kilometer spuckt das Navi aus und eine Fahrzeit von 6 Stunden und 18 Minuten.
Die Autobahn führt uns über Kassel, irgendwann kommt dann der Aischgrund, berühmt für die Aischer Karpfen, die wohl jeder Fischgourmet kennt. Es geht flüssig von der Hand und rechts oben taucht die Allianz-Arena zu München auf und ehe man sich versieht geht es von der Autobahn runter und man findet sich in Mitten des Voralpengebietes mit den ersten saftig blühenden Wiesen und braunen Kühen darauf wieder.
Etwa 70 Kilometer süd-westlich von München liegt der Kochelsee, an dem unsere Fahrt vorbei führt und man bekommt schon mal einen Vorgeschmack auf das, was uns erwartet.
Direkt hinter dem Kochelsee schlängelt sich die Straße den Berg hinauf. Für nicht seefeste Leute ist das nichts und von Kurve zu Kurve wird meine Beifahrerin blasser und blasser.
Nach neun Kilometern können wir unseren See das erste mal bestaunen.
Das Wasser ist durch den hellen Bodengrund türkisgrün, es ist ein wundervoller Anblick.


Blick vom Gipfel des Herzogstands auf den Walchensee.
Im Vordergrund das Nord-Westufer mit der Walchenseebucht.


Unser Quartier für die nächsten zehn Tage in Urfeld am Nordufer des Sees ist von diesem nur durch die Straße getrennt.
Nach drei bis vier König Ludwig Bräu und 2 mal Hinfallen liegt man praktisch im See.
Voller Erfurcht und mit etwas Respekt stehe ich am Ufer über dem Bootsanleger und ich frage mich, ob ich diesem Gewässer den einen oder anderen Fisch entlocken kann.
Nicole macht mir wie üblich nicht mehr Mut.. „Ob du hier was fängst???“

Der Walchensee ist mit einer Uferstrecke von 26 Kilometern nicht nur der größte, sondern  mit einer Tiefe von 193,5 Metern auch der tiefste Alpensee Deutschlands.
Und diese Abmessungen lassen erahnen, dass es nicht gerade leicht wird hier was zu erbeuten. Um mal zu verdeutlichen was hier für Wassermassen vorhanden sind stelle ich folgende Rechnung auf...
Würde man an der tiefsten Stelle des Sees Betonquader von 1x1 Meter übereinander in das Wasser stapeln bis der oberste oben raus guckt, würde das einer Betonmenge von 193,5 Kubikmetern oder 2322 Schubkarren Beton entsprechen.
Wohlgemerkt nur an der tiefsten Stelle 1x1 Meter!
Würde ich an der tiefsten Stelle meine Montage mit der kleinen Spinnrute hinab lassen, wären es noch knapp 40 Meter zum Grund wenn die Rolle leer wäre - das muss man sich mal vorstellen.

Unser Gastgeber bewirtschaftet schräg gegenüber unserer Ferienwohnung ein Ausflugslokal, das Seestüberl. Hier sollten wir uns melden und nachdem die Formalitäten geklärt sind, ein Boot gemietet ist und die Wochenangelkarte für ganze 31 Euro gezahlt ist, geht es erst mal einige Fußmeter zur Erkundung am Ufer entlang.


Der Bootsanleger in Urfeld mit Cafe „Seestüberl“

Im Seestüberl gibt es nicht nur allerhand Leckereien, sondern auch etwas Angelbedarf. Zwar nur das Nötigste, aber eine recht vernünftig zusammengestellte Auswahl an Blinkern, Spinnern, Bleien und Hegenen. Nicole macht mich auf ein kleines Taschenbuch aufmerksam „Angeltipps zum Walchensee“ ist darauf zu lesen und nach kurzem Durchblättern wird das Werk für tauglich befunden und geht für fünf Euronen mit.

Es geht los ... und wie
Ich sauge abends eifrig im Quartier das niedergeschriebene Wissen in mich auf.
Der Autor macht mir nicht gerade mehr Mut etwas zu fangen, denn er angelt seit 20 Jahren und ist am Walchenseen drei mal Schneider geblieben. Daher entschloss er sich ein Buch mit hilfreichen Tipps zu schreiben. Sehr löblich wie ich finde. Das Buch liest sich flüssig durch und gibt wirklich allerhand hilfreiche Tipps und sogar fängige Stellen für Renke und Barsch werden verraten.
Es umfasst etwa einhundert Seiten und dem Hecht wird eine ganze halbe Seite gewidmet.
Von den Einheimischen wird hier der Hecht kaum gezielt befischt. Er wird eher als eine Art Schmarotzer gesehen der den Anglern hier die Renken und Saiblinge wegfrisst, einfach unglaublich... Es scheint hier Hechte zu geben, die noch nie einen Kunstköder gesehen haben.
Fänge über 1,20m gibt es jede Saison um die zwanzig!

Am 22. Mai geht es dann endlich ans Wasser, ich wähle das Südufer. Fährt man von Urfeld Richtung Walchensee Ort, kommt man hinter Walchensee auf eine Mautstraße die direkt am Ufer entlang führt.
Auf der Karte ist ein kleiner Ort namens Altlach eingezeichnet, eigentlich dachten wir dort eine Wirtschaft zu finden und was essen zu können. Wie wir mit Entsetzen feststellen mussten, besteht Altlach nur aus einem Haus, einer Garage und einer Scheune.
Ich war also in Punkto Nahrungsbeschaffung etwas Erfolgsdruck ausgesetzt.


Das Südufer etwa Mittig kurz hinter Altlach.
Kilometerlang kann man hier mit der Spinnrute wandern.


Die drei fälligen Euro Mautgebühr kann ich nur jedem Empfehlen zu investieren. Der wunderschöne Weg ist jeden einzelnen Euro wert. Mit der Spinnrute kann man praktisch die gesamten ca. acht Kilometer Uferstrecke abgehen. Es ist 17.15 Uhr als mein orangener Wobbler das erste Mal in den See plumpst. Ich wähle orange, da Saiblinge ja einen orangenen Bauch haben. Die Lauftiefe beträgt 3-4 Meter. Es ist Gegenwind und ich komme irgendwie mit den 12 Gramm nicht weit genug raus.
Nach zehn Wurf wechsele ich auf einen 22 Gramm Effzett in Silber. Forellen und Renken sind silber und dienen dem Hecht als Futterfisch, guter Plan.
Nach 3 Wurf ruckt es in der Rute und ich kann unglaublicher Weise um 17.35 Uhr meinen ersten Fisch aus dem Walchensee ziehen. Es ist ein 58er Hecht, schlank aber kampfstark mit knapp 2,5 Pfund. Da wir an diesem Tag noch nichts gegessen hatten, kommt er gerade recht, für 2 Personen genau richtig.


Der Plan geht auf.
Der erste Hecht zappelt im Kescher.


Etwa fünfzig Meter weiter kommt ein Angelkollege aus dem Stuttgarter Raum mit der Spinnrute zum Werfen hinzu. Wir kommen ein bisschen ins Gespräch und er möchte wissen, auf was ich den Hecht gefangen habe.
Auch er erzählt mir, dass der Hecht hier kaum befischt wird. Hauptsächlich wegen Saibling und Renke kommen hier die Touristen und die Einheimischen her. Ich solle das mal versuchen, sagt er, mit der Hegene soll es richtig Spaß machen. Wichtig sei, dass man eine Rute mit sensibler Spitze einsetzt um die zart ausfallenden Bisse zu erkennen sagte er.
Im Gespräch stellen wir zwischen unseren Vereinen interessante Parallelen fest... „wenn bei uns Forellen besetzt werden sind die nach spätestens drei Wochen wieder raus und man muss um drei in der Früh am See sein damit man einen Parkplatz bekommt“ erzählte er im wunderbaren Schwäbisch. Ich lachte gemeinsam mit ihm - war ein sehr netter Kerl.
Nach ein bisschen Pause geht es weiter, es ist 17.55 Uhr und es ruckt schon wieder. Dieses mal allerdings erheblich heftiger als zuvor und erheblich heftiger als alles was ich bisher an der Spinnrute hatte.
Der Stuttgarter staunt nicht schlecht als sich meine Shimano Catana im Halbkreis biegt, auch Nicole kommt gelaufen und kriegt den Kinnladen nicht mehr hoch.
Der Drill dauert, denn immer wieder flüchtet mein Gegner ins tiefere Wasser und ich sage zu den beiden „mindestens 80 ist der“.
Der Stuttgarter übernimmt den Kescher und irgendwann gleitet er über den Rand des Keschers.


In 20 Minuten der zweite Hecht

Das Messen ergibt exakt 80cm, die Waage zeigt knapp 7 Pfund.
Mein bisher größter Fisch den ich gefangen habe und ich sage „Alter Schwede was ist das hier für ein See?“ Der Stuttgarter lächelt „Wohl noch nie in Bayern gefischt was?“


Beim Messen, der Stuttgarter schaut mir über die Schulter.
80cm habe ich doch gesagt :o)

Ich werfe noch etwa 20 Minuten und habe in dieser Zeit noch 5 Kontakte, ein dritter Hecht geht mit nach kurzem Drill verloren, macht aber nichts, denn ich habe ja schon zwei.
Da ich die beiden ja noch versorgen und nicht zuletzt noch zubereiten will, ist für heute erst mal Schluss.
Der Walchensee machte mir ein schönes, wenn auch etwas nachträgliches Geburtstagsgeschenk und meine im Oktober 2008 erworbene Catana ist keine Jungfrau mehr.
Man glaubt gar nicht wie lecker Hechte sind, die in Wasser mit Trinkwasserqualität schwimmen und sich von Saibling und Renke ernähren.


Weil´s so schön war, hier noch mal beide im Duett.

Am folgenden Tag versuche ich es noch mal und verliere dummerweise meinen Blinker.
Auch vom Boot aus schlägt der Versuch auf Hecht zu schleppen fehl - ich hatte aber nur jeweils eine Stunde probiert und nicht wirklich das richtige Gerät zum Schleppen dabei.

Doch es geht weiter...

Die Hegene
Irgendwie geht mit der Satz des Stuttgarters nicht mehr aus dem Kopf. Aber warum sollte man mit einer Hegene auf Saibling und Renke fischen, wenn die Hechte hier zu Haufen auf den Blinker knallen? Es ist ganz einfach, man hat einen direkteren Kontakt zum Fisch und man fängt und fängt und fängt....
Um es vorweg zu nehmen: 30-40 Bisse in vier Stunden sind normal.
So unglaublich es auch klingt, man kann auch um 16 Uhr mit dem Boot raus fahren und kann diese Quoten erreicht.
Die Hegene ist ähnlich wie der Heringspatanoster aufgebaut, nur erheblich feiner.
Die Hauptschnur der Hegene ist eine 16er, an der bis zu 5 Seitenarme etwa 3 cm lang aus 14er Mono mit einem 14er oder 16er Hacken als Nymphe „verkleidet“ hängen.
Die Nymphen gibt es in verschiedenen Formen und Farben, meist ist schwarz dabei und es wird mit gelb, rot oder blauen Glitzerfäden verziert. Blau erwies sich mit Abstand als fängigste Farbe. Am Ende wird dann ein Birnen oder Dropshotblei mit 8-15 Gramm gehängt um das Ganze auf Tiefe zu bringen, fertig.


Ein Hacken der Hegene am Seitenarm.
Durch viele Bisse schon etwas geschunden was die Fängigkeit aber in keinster Weise beeinträchtigt, ganz im Gegenteil. Blau war Trumpf.


Generell hat man nun zwei verschiedene Möglichkeiten mit der Hegene zu fischen, entweder mit der Pose oder ohne.
Egal ob vom Ufer oder vom Boot, das Wichtigste ist, eine Rute mit einer sehr sensiblen Spitze zu haben, die den Biss sicher anzeigt. Vom Ufer aus fischen die meisten mit der Pose und einer herkömmlichen Wickelpicker Rute mit 3-4 Meter Länge. Die Montage wird dann ausgeworfen und die Rute mit sehr hohem Winkel ähnlich wie beim Brandungsfischen in einen Halter gesteckt und die Schnur stramm gezogen, Pose und Rutenspitze zeigen den Biss an. Die Renken ziehen im Mai in etwa 5-10 Meter Tiefe durch das Gewässer,
Saibling in 15-40 Meter.
Mit der Pose wird ein Gummistopper auf Renke eben auf 5-10 Meter Tiefe und auf Saibling eben auf 15-40 Meter eingestellt und die Montage mit weiten Würfen an den entsprechenden Platz gebracht. Optimal ist es, wenn das Blei am Boden liegt und die Pose auf dem Wasser liegt. Bei einem Biss stellt sie sich dann hin und man setzt den Anhieb.

Die zweite Möglichkeit ist ohne Pose zu fischen und sich auf sein Gefühl zu verlassen. Beide Methoden haben vor und Nachteile. Mit Pose ist der Selbsthackeffekt höher, ein Anhieb meist nicht mehr nötig, allerdings merkt man die mehr als zart ausfallenden Renkenbisse nicht. Ohne Pose muss die Rute ständig in der Hand gehalten werden und die Schnur immer von Hand stramm gehalten werden. Bisse lassen sich aber so besser erkennen und man kann besser und schneller reagieren.
Es ist mir zu nervig jedes Mal die Tiefe zu loten und da wir ja nun ein Boot gemietet haben, ist das vom Ufer natürlich nichts für mich und ich wähle die Version ohne Pose vom Boot aus.
Erlaubt sind maximal zwei Ruten mit je drei Anbissstellen.
Beim Posenfischen sind zwei Ruten machbar, ohne Pose reicht eine Rute voll aus, da man erheblich mehr Bisse verwandelt.
Das Angeln mit der Hegene ohne Pose ist als Königsklasse der Alpenseefischerei anzusehen. Es ist mir keine Angelmethode bekannt, die mehr Aufmerksamkeit und vor allem Reaktionsvermögen erfordert. Denn bei einem Renkenbiss bleibt weniger als eine Sekunde Zeit um zu reagieren.

Platzwahl und Gerät
Das erste mal fische ich mit der Hegene. Ich hänge die 2,2 Meter lange Hegene mit der Schlaufe in meinen Wirbel ein. Als Rute kommt eine Shimano Alivio mit einem Wurfgewicht von 5-20g und einer Länge von 2,40 Meter zum Einsatz, vom Boot aus genau richtig.
Das Blei am Ende der Montage ist ein Dropshotblei mit 12 Gramm, das war´s.
Wichtig ist die Stellenwahl. Hier braucht man eigentlich nur das kleine Buch oder die Einheimischen zu befragen, zweitere sind sehr nett und immer auskunftsfreudig.
Krankhaftes Konkurrenzdenken gibt es hier nicht.
Die Stelle muss einen schlammigen Untergrund haben, denn nur hier suchen die Fische nach Futter. Der Kreideschlamm ist optimaler Nährboden für die Insektenlarven, die wir ja versuchen mit der Hegene mit den Nymphen zu imitieren und den Fisch zum Biss zu verleiten.
Im Mai ist hierzu die beste Zeit, da nun in den Buchten bei Sonneneinstrahlung ein starker Insektenschlupf einsetzt und Renken und Saibling deshalb die Buchten aufsuchen.
Von weit her kommen in dieser Jahreszeit die Renkenangler und man sollte frühzeitig ein Boot mieten.
Ich rudere also ein bisschen raus zu den anderen Booten und lasse meine Montage abwärts. Vorher wird aber noch die Ankerwinde zu Grund gelassen um das Boot zu fixieren.
Um festzustellen ob man an einer geeigneten Stelle ankert, lässt man seine Montage runter bis das Blei den Boden berührt. Wenn die Schnur erschlafft, ist das Blei unten und man wartet etwa 3-4 Sekunden bis das Blei etwas im Schlamm versunken ist und kurbelt die Schnur dann straff.
Wenn man nun die Rute etwas hebt, sollte es etwas Widerstand geben, dieses kommt dadurch, dass das Blei eben im Schlamm versunken ist. Man merkt ein deutliches „Plopp“ wenn sich das Blei aus dem Schlamm löst. Kann man das Blei direkt anheben, ist der Grund ungeeignet „sauber“ und man sollte weiter suchen.

Ist die Stelle gefunden gibt es wieder zwei Möglichkeiten.
Entweder ich warte mit strammer Schnur auf den Biss oder ich versuche ganz langsam die Montage anzuheben und so eine frisch geschlüpfte Insektenlarve beim Aufsteigen an die Oberfläche zu imitieren.
Das Heben muss unbedingt im Zeitlupen-Tempo erfolgen, da die echten Larven sehr langsam aufsteigen. Als langsam bezeichnet man circa einen Meter Weg in 50-60 Sekunden.
Die Montage kann auch während des Hebens für einige Sekunden gestoppt werden, echte Nymphen tun dieses auch.
Nach einem Meter Weg ist das Heben beendet und man lässt die Montage wieder abwärts bis das Blei auf dem Grund ankommt. Dann geht es wieder von vorne los.
Langsames Absacken macht keinen Sinn und bringt keine Bisse, da die Fische auf aufsteigende Larven fixiert sind.
Bei starkem Wellengang ist diese Methode aber nicht anzuraten, da das Boot stark schwankt und der Aufstieg zu unnatürlich aussehen würde.
Ich fange an zu heben und nach zwanzig Minuten ist es soweit ....

Der erste Biss

Es fühlt sich an meiner Rute so ähnlich an wie ein Virbrationstakt eines Handys wenn man eine SMS bekommt, etwa eine Sekunde lang, das war´s.
Sofort muss ein Anhieb gesetzt werden, aber sehr gefühlvoll, nur aus dem Handgelenk.
Beim Heben ist es ratsam die Rute vor den Bauch zu nehmen da sonst immer im Sitzen ein Bein im Wege ist.
Den ersten Biss versaue ich, dann kommt schnell der zweite, dann der dritte.
Nach dem vierten habe ich es raus und nach dem Anhieb zappelt es am Ende der Montage.
Beim Drill sollte man unbedingt beachten, dass sehr langsam nach oben geholt wird, um dem Fisch einen Druckausgleich zu ermöglichen. Tut man das nicht und man erwischt einen untermäßigen Fisch, würde dieser hilflos an der Oberfläche treiben und schnell Opfer einer Möwe werden. Wenn die Fische also einen aufgeblähten Bauch aufweisen, drückt man die Luft aus dem Fisch sanft heraus, am besten unter Wasser. Aus dem Fischmaul entweicht dann die Luft und man lässt den Fisch erst los, wenn er von alleine bestrebt ist nach unten zu entwischen.
Es ist aber stets darauf zu achten den Kontakt zum Fisch nicht zu verlieren.
Ein Anfassen mit nassen Händen oder einem nassen Lappen ist selbstverständlich.
Nach kurzem Drill kann ich meinen ersten Saibling landen.
Ich freue mich wie ein Schneekönig und auch Nicole ist begeistert.


Mein ersten Saibling, leider untermäßig.
Das Schonmaß beträgt 26 cm.


Ist erst mal ein Fischschwarm am Platz, geht es Schlag auf Schlag.
Man sieht genau, wo der Schwarm lang zieht. Erst fängt das erste Boot, dann das zweite in der Reihe und so weiter.
Es fehlt mit aber noch etwas die Praxis und ich versaue erst mal wieder zehn Bisse bis ich einen weiteren untermäßigen Saibling landen kann.
Es wird dunkel und für heute ist erst mal Schluss.

Das war knapp
Das Wetter in den Bergen sollte man nicht unterschätzen. Im Wetterbericht gab es eine Unwetterwarnung, aber irgendwie passierte den ganzen Tag nichts.
Abends gab es ein bisschen Regen und wir entschlossen uns noch mal mit dem Boot raus zu fahren.
Auch alle Einheimischen waren der Meinung dass heute nichts mehr passieren würde.
Also die Angelsachen in das Boot und los.
Ich wollte gerade den Anker runter lassen als Wind aufkam. Es waren mit uns noch 4 Boote draußen, als über den Bergen plötzlich schwarze Wolken von Norden und Westen kamen.
Alle Boote gaben im nu Kette, während ich die Angler noch als Weicheier abtat. Gottlob hielt ich es aber glücklicherweise dann doch für besser an Land zu rudern um nicht nass ins Quartier zu kommen.
Innerhalb von Sekunden wurde der Wind so stark, dass ich mit den Rundern kaum noch gegen an kam. Kurz vor dem Bootssteg brach etwas Panik aus. Es wurde immer heftiger und nur einen Meter vorm Steg trieb das Boot trotz Rundern immer weiter vom Steg ab.
Unglaublich was für eine Kraft auf einem so kleinen Boot liegt.
Die Temperatur fällt in wenigen Minuten von 27 auf 10 Grad.
Ein anderer Angler hatte es grade noch rechtzeitig geschafft sein Boot auf den Steg zu ziehen, er kann sich kaum auf den Beinen halten so stark ist der Wind. Ein zweites Boot schafft es 150 Meter vom Steg entfernt an Land zu kommen.
In einer ruhigen Sekunde schaffe ich es den Steg zu erreichen, der Kollege am Steg hilft mir das Boot raufzuziehen.
Es ist noch mal glimpflich ausgegangen, aber ich werde auf jeden Fall beim nächsten Mal eine Schwimmhilfe mitnehmen. Am nächsten Tag macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Wegen starken Windes und heftigen Regenschauern ist leider an Angeln nicht zu denken.

Der fünfte Angeltag

Ganz klar... die Hegene hat es mir angetan und ich beschließe, es am nächsten Tag mal morgens zu versuchen. Unser Hausherr meinte, dass es am besten zwischen 6 und 8 Uhr geht.
Er muss es ja wissen, denn er bekommt jeden Tag die ausgefüllten Angelkarten auf den Tisch, in denen Fischart, Datum, Länge und letztlich auch die Fangzeit eingetragen muss.
Wie man es auch bei uns kennt, wird sofort nach dem Fang und natürlich mit Kugelschreiber eingetragen.

Als ich am Steg ankomme, kniet ein Pforzheimer Angelkollege vor seinem Boot. Das Unwetter hat unsere Boote voll laufen lassen. Ich hatte meines bereits am Abend zuvor wieder leer geschöpft.
Es waren mit Sicherheit 250 Liter Wasser drin. In jedem Boot liegt ein kleines Plastikgefäß zum Leerschöpfen, welches übrigens auch sehr hilfreich sein kann, um beim Angeln Maßband, Fischtöter und Löseschere in ihm aufzubewahren.
Da ich ja kein Unmensch bin, helfe ich ihm.
Er sagt:“ Komm mal mit zum Auto“ und dort zeigt er mir seine 150 Gramm Telespinnrute die am letzten Glied kurz hinter dem Rollenhalter gebrochen ist „eine Seeforelle“ sagt er und senkt den Kopf. Einfach unglaublich.

Ich rudere hinaus. Urfeld schläft noch und es ist still.
Es ist so wunderschön hier und ich frage mich, ob die Bayern überhaupt wissen was sie hier haben. Einige Tage später bin ich mir sicher: sie wissen es !
Denn für eine Einzimmerwohnung mit 50 Quadratmeter muss man in dieser Gegend mit etwa einhunderttausend Euro rechnen.
Die Stille wird nur durch den gleichmäßigen Takt meiner Ruderschläge unterbrochen und das Wasser ist wunderbar glatt. Ich bin kurz vor sechs der Erste auf dem Wasser und es ist Arschkalt an diesem Morgen, das Thermometer zeigt 9 Grad.
Ich lasse erst die Ankerwinde und dann die Montage hinunter und es dauert keine 5 Minuten und ich kann den ersten Biss verwandeln. Dieses Mal krümmt sich die Rute etwas heftiger und siehe da ... das Messen ergibt: er ist mäßig.
Angefangen habe ich kurz vor sechs, bis neun kann ich 10 Saiblinge landen, drei sind knapp 30cm und damit mäßig.


Die ersten drei.
Anders als unser Bachsaibling ist diese Gattung etwas blasser
und hat keinen weißen Saum an den Flossen


Die Kollegen vom Ufer aus fangen ebenfalls gut und es ist etwas amüsant anzusehen, wenn  rotnäsig, rotwangenhäutige in Lederhosen und Gummistiefel bekleidete ältere Herren in einer Runde einreihen, um sich biertrinkender Weise die Zeit um die Ohren schlagen. Es ist wie gesagt kurz nach neun.
Und immer wieder kommt es vom anderen Ufer in tief bayrischem Dialekt rüber zum Boot:
„A Büss, A Büss“.
Kurz darauf setzt sich dann immer einer der dickbäuchigen, irgendwie urig wirkenden Herren aus der Runde in Richtung eines Rutenhalters in Bewegung, um den Anhieb zu setzten, was immer etwas Zeit in Anspruch nimmt, da das Ufer felsig ist und man mit Gummibotten nicht immer gut voran kommt.

Die Königin
Ich beschließe Schluss zu machen und lasse meine Montage nach Abhacken einer untermäßigen Renke, die erheblich mehr Terror macht als ein Saibling, ein letztes Mal zu Boden.
Schon wieder ein Biss, man kann die Uhr nach stellen. Inzwischen weiß ich, wenn sich die Rute bis zum dritten Glied krümmt ist der Saibling untermäßig, ab dem vierten Glied passt es und er geht mit.
Ich drille wie so oft von 20 Metern sanft nach oben, in 10 Metern Tiefe urplötzlich wird der Zug so stark, dass es mir fast die Rute aus der Hand reißt.
Ich muss die Rute mit beiden Händen halten, damit sie nicht über Bord geht. Der Zug wird so heftig, dass sich das Boot auf die Seite neigt und ich bekomme es mit der Angst zu tun.
Was zur Hölle ist das. Mir schießen Zahlen durch den Kopf, die Hauptschnur ist eine 20er, die Hegene hat ein 16er Hauptstrang an dem  die 14er Seitenarme sitzen was eine Tragkraft von etwa 2-3 Kilo entspricht.
Ich muss irgendwie versuchen die Bremse zu lösen, die etwas zu fest sitzt. Die Rutenspitze taucht immer wieder ins Wasser und mit einer Hand ist es unmöglich die Rute zu halten.
Ich rechne jeden Augenblick damit, dass mir entweder die Montage oder dir Rute um die Ohren fliegt.
Ich schaffe es dann irgendwie das Ende der Rute in die Kniekehle zu klemmen, somit wird eine Hand frei und ich kann die Bremse der Rolle lösen. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich ein Drittel meiner Rute bereits unter der Wasseroberfläche!
Die Bremse kreischt und es wird unaufhaltsam Schnur von der Rolle gezogen, zehn, zwanzig, dreißig Meter.
Ich ahne eine weitere Gefahr... das Seil der Ankerwinde was vom Boot zum Eisengewicht am Grund führt.
Verfängt sich hier was, dann ist Feierabend, das ist sicher. Ich versuche noch an die Ankerwinde zu kommen, doch genau so plötzlich wie er kam ist der heftige Zug auch wieder verschwunden und es zappelt wir kurz nach dem Biss an der Rute, es ist ein Saibling.
Beim Abhacken stelle ich kurz hinter dem Kopf  an beiden Seiten Bissverletzungen fest.
Ich hatte es mit der Königen des Sees zu tun ... einer Seeforelle die meinen Saibling geschnappt hat.
Es ist unglaublich welche Kraft hier zum Tragen kommt, der 80er Hecht war grade zu lächerlich dagegen.
Ich rudere zurück und gehe ins Seestüberl. Als ich berichte lacht Karl nachdem er sich die Größe der Bissverletzung beschreiben lassen hat und es kommt im bayrisch: „A Seeforellen so 15 Pfund wird´s a gwesn san“.
Und ich denke: “verdammt“.

Der letzte Tag

Eine Seeforelle zu erwischen ist wohl der Traum eines jeden Anglers. Die Chance ist jedoch gering. Hauptsächlich beim Schleppen gehen diese Riesen an den Hacken. Fänge um die 70 cm sind hier normal, 100cm gibt es jedes Jahr um die 20 Stück.
Zum Schleppen habe ich nicht das geeignete Gerät dabei und ich möchte noch eine mäßige Renke ergattern.
Die Fangbeschränkung für Saibling liegt bei 10 Stück, Renke bei 5 Stück.
Renkenbisse fallen weitaus dürftiger aus und es ist schwer sie überhaupt erst zu erkennen, man muss sie schon fast erahnen.
Der Biss ist vergleichbar als würde man den Haken mit Daumen und Zeigefinger anfassen und etwa 3cm zur Seite ziehen, mehr nicht. Der Anhieb sollte nur mit der Kurbel erfolgen, da das Renkenmaul in der Spalte sehr schnell am Haken ausschlitzt.
Neben mir auf einem Boot hat der Pforzheimer Angelkollege, der die Wohnung über uns bewohnt, seinen Platz gefunden. Er hat ein Echolot und versucht sich aus Seeforelle.
Es sieht immer so aus als wäre er eingeschlafen, da er wohl im Sonnenschein sein Echolot nicht richtig ablesen kann.


Der Pforzheimer über seinem Echolot.

Es ist Abend 17 Uhr und es beißen wieder Saiblinge. Ich versaue wieder ein paar Bisse, aber es wird immer besser. Die Bisse der Renken sind sehr gut von denen der Saiblinge zu unterscheiden.
Am letzten Tag doch noch eine Renke zu ergattern ist unwahrscheinlich.
Es passiert erstaunlicherweise erst mal 20 Minuten gar nichts. Nicole rät mir, zu einer Stelle auf der anderen Seite des Bootes etwa 1,5 Meter von meinem fachmännisch ausgewähltem Angelplatz entfernt. Da man ja nun keinen Stress provozieren will, kurbele ich die Montage die 15 Meter hoch und lasse sie an der geforderten Stelle ab. Grade als das Blei im Boden versinkt kommt der erste Biss und es ist ein mäßiger Saibling.
Sie grinst und es herrscht erst mal Schweigen im Boot.
Ich frage mich in Gedanken nach dem warum, warum zur Hölle weiß jemand der Null Ahnung vom Angeln hat wo und wann die Fische beißen und das nur 1,5 Meter entfernt von einer fachmännisch ausgesuchten Stelle?!?
Damit nicht genug, kurze zeit später kann ich doch noch eine mäßige Renke über den Kescher ziehen. Unglaublich so was...


Meine erste Renke mit 36cm und ein weiterer Saibling

Das Problem an der Renkenangelei sind nicht nur die zarten Bisse, sondern auch das Maul der Renke. In den Maulspalten hat die Renke pergamentartige Haut und der Hacken schlitzt schnell aus. Es ist auch möglich die Haken der Hegene mit einer Made zu bestücken, allerdings schlucken viele kleine Saiblinge dann den Hacken und es gibt Probleme ihn wieder heraus zu bekommen.

Ein letztes Mal lasse ich die Montage hinunter. Der letzte Fisch des Urlaubs ist ein kleiner Saibling, den ich behutsam wieder zurück setze. Ich bin unendlich traurig diesen schönen Ort morgen wieder verlassen zu müssen. Die Freude über die schöne 36er Renke macht es aber wieder ein bisschen wett.
Noch weit hinter München kämpfe ich mit den Tränen.
Denn wer hier einmal geangelt hat, weiß was Angelglück bedeutet, auch wenn man nichts fängt.
Aber ich komme wieder und dann nehme ich mir die Seeforellen vor, das ist sicher.


Resümee nach 10 Tagen Urlaub

An den vergangenen zehn Tagen bin ich sieben Mal mit einer reinen Angelzeit von
ca. 18 Stunden an oder auf dem Wasser gewesen.
Ich konnte insgesamt 2 Hechte, 3 Renken und 38 Saiblinge landen.
Wenn das kein Erfolg war, was dann.

Fakten und Zahlen

Der See
Bis zu 193,5 Meter tief und ca. 26 km Uferstrecke.
Der Wasserspiegel schwankt im Jahr bis zu 8 Meter.
Fahrzeit von Hannover 6-7 Stunden.

Kosten :
Angelwochenkarte 31 Euro
Tageskarte 8 Euro
Boot / Tag ab 7 Euro
Für die Angelerlaubnis ist ein gültiger Fischereischein Voraussetzung.

Fischbestand :
Hecht, Renke, Saibling, Regenbogen, Bach und Seeforelle, Waller; Rutte, Barsch und ein bisschen Weißfisch

Schonmaße :
Renke: 30cm
Saibling: 26cm
Forelle aller Art : 50cm
Alles andere: kein Schonmaß

Saison :
1. März bis 30. September


Dieser Beitrag stellt die Meinung des Teilnehmers am Autorenwettbewerb dar und muss nicht der Meinung des Vereins und seiner Vertreter entsprechen.

 

 
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