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Dieser Beitrag hat am Autorenwettbewerb in der Kategorie Allgemeines Fischen teilgenommen und den x. Platz erreicht.
Eine Angel! Eine richtige Angel! Nicht so eine olle Bambusrute, die mit jedem größeren Karpfen der sich an meine, für Plötzen bestimmten, Weißbrotkügelchen vergriff, ein Stückchen kürzer wurde. Nein! Eine richtig echte Angel war das, 1,60m lang aus durchsichtig blauem Fieberglas, verchromte Stahlringe mit rotem Zwirn gebunden. Der Griff aus weißem, längs geriffeltem Kunststoff. Unten dran hing eine schwarze Rolle Marke Dam-Quick mit durchsichtig grüner Kapsel. Es war Ostern 1978 und ich vier Jahre alt. Diese Rute war anders als alles bisher dagewesene, dies war “Exkalibur“, da war ich mir sicher! Jetzt brauchte ich keinen noch so großen Karpfen mehr zu fürchten! Ich war Stolz. „An Pfingsten fahren wir los zum Nachtangeln„ sagte mein Vater. Ich war hellauf begeistert! Zwar war ich vorher schon zu den Angelausflügen meines Vaters mitgenommen worden, doch bekam ich dort eben jene Bambusrute zugeteilt oder war “Unterfangkescher-Beauftragter“. Fischen in der Nacht, das hatte ich noch nie gemacht. Die war ja für einen Pöks wie mich zum schlafen da. Nun sollte es also bald losgehen. Doch zuvor hieß es Auswerfen üben im heimischen Garten. Etliche “Perücken“ und zwei Schnurfüllungen weiter, die Bäume unseres Gartens sahen prächtig geschmückt aus, damals `78, zuckelten wir also in unserem blaumetallik-farbendem Audi 100 von Hannover Richtung Allertal, ich hielt meine Angel in der Hand, die ganze Fahrt über.
Das Allertal ist wunderschön. Die Aller meandert sich hier durch saftige Wiesenauen auf denen die Kühe bis zum Wasser grasen können. Störche sind hier auf der Jagd nach Fröschen und Lurchen. Libellen wimmeln durch die Luft. Den Geruch nach schwerem Lehmboden, frischem Gras und Wasser werde ich nie vergessen. Wir kommen also an, man kann mit dem Auto bis an den Fluß fahren, ich steige aus knüpfe einige Mistwürmer an den Haken und schleudere mein 35 Gramm Sargblei den Fluß runter mitten in die Rinne. Die Monofilschnur summte ihr Lied von der Rolle. Und Plumps, sank die Montage auf den Gewässergrund. Mein Vater schlenderte gerade pfeifend, er pfeift immer, zum Kofferraum des Wagens, da ruf ich schon Biss! Die Angel zuckt heftig, wie ein Wilder halte ich sie fest und Kurbel als ginge es um mein Leben. Der Fisch ist stark, ein verdammt starker Fisch in einer mächtigen Strömung! Ich bin ein kleiner Junge mit einer kleinen Angel und habe keine Ahnung wie man eine Bremse bedient. „Kescher! Kescher!“ schreie ich meinem alten Herren zu. Doch der ist noch wohlverstaut im Kofferraum.„Rute hoch, Junge! Nimm die Rute hoch“ ruft er mir zu. Ich hole den Fisch mit allem was ein Vierjähriger an Kraft und Ehrgeiz an den Tag zu legen hat bis vor meine Füße, da blitzt seine Flanke silbern auf, verdammt ist das ein Fisch! Noch nie habe ich so einen großen Fisch gesehen, noch nie gespürt was ein solches Lebewesen für Kräfte freizusetzen vermag. „Komm doch! Den Kescher!“ mir rutscht das Herz in die Hose. Dem bin ich nicht gewachsen. Endlich kommt mein Vater und senkt den Kescher in den Fluß. Behutsam greift er mir in die Rute und buchsiert den Fisch über das Netz, es hebt sich aus dem Wasser und senkt sich in der roten Abendsonne in das grüne Gras. Ein Klodeckelgroßer Brassen liegt darin und schnappt nach Luft. Die Rute hat ihn gefischt, ich habe ihn gefischt. Exkalibur!
Von einer Größe erfasst die einem Vierjährigem eigentlich nicht zusteht schaue ich zu wie mein Vater die restlichen Angel ausbringt. Das Nachtangeln begeistert mich, die Glöckchen bimmel hie und da an der Rutenspitze und wir fangen noch zwei schöne Aale. Die Uhr zeigt 20.45, nach dem ich meinen Vater noch mit zwei, von mir fabrizierten, “Gordischen Knoten“ ausreichend beschäftigt habe bin ich totmüde und krieche in den Audi. Ich schalte das Radio an und schlafe seelig ein.
Kurz vor dem Morgengrauen macht mein Vater mich wach. „Komm Junge gleich geht noch mal was“. Ich schlurfe verschlafen durch die morgendliche Kühle über die Tau bedeckte Wiese und frage ihn ob er in der Nacht noch was gefangen hat, hat er – drei weitere Aale. Einer kommt noch dazu und wir fangen an einzupacken.„Schön ruhig ist es hier im Allertal“ merkt mein alter Herr an. Ja schön ruhig bis auf das Radio...
Anderthalb Stunden später kommt ein Bauer mit seinem Trecker vorbei und gibt uns Starthilfe. Zum Glück mit dem Trecker, denn als der Motor wieder läuft stellen wir fest das der Audi im morgendlich feuchtem, lehmigen Boden feststeckt. Er zieht uns raus und grummelt uns seine Sichtweise über Städter auf Platt entgegen. Mich interessiert das alles nicht mehr so sehr. Ich sitze müde auf der Rückbank und schaue aus dem Fenster herüber zum Fluß, über dem eine Gabelweihe ihre suchenden Kreise dreht. Meine Rute fest in der Hand.
Dieser Beitrag stellt die Meinung des Teilnehmers am Autorenwettbewerb dar und muss nicht der Meinung des Vereins und seiner Vertreter entsprechen.
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