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Dieser Beitrag hat am Autorenwettbewerb in der Kategorie Allgemeines Fischen teilgenommen und den x. Platz erreicht.
Die Planung für den Schwedenurlaub im Sommer 2004 erwies sich als äußerst schwierig, da wir uns einfach nicht auf einen Termin einigen konnten. Ich war mit meinen Prüfungen an der Uni soweit durch und hatte eigentlich vom zeitlichen Rahmen freie Auswahl. Thomas tendierte in diesem Jahr aus familiären Gründen für eine Reise Anfang August, während Volker ebenfalls relativ frei in seiner Zeiteinteilung war. Anders stellte sich die Situation bei Jörg und Christian dar. Jörg studierte zu diesem Zeitpunkt noch in Emden und hatte im August 2004 diverse Prüfungen anstehen. Christian hatte hingegen das Problem, dass in seiner Firma in den Sommerferien zuerst einmal die Kollegen mit Familien ihren Urlaub machen und er als Single dahinter zurückstehen musste. Und dieses Jahr fielen die Ferien natürlich genau in den August. Schließlich entstand bei den beiden der Entschluss, dieses Jahr nicht mit nach Schweden zukommen, so dass Volker, Thomas und ich uns Anfang August nur zu dritt aufmachten.
Dieses war umso ärgerlicher, da wir dieses Jahr zum ersten mal in einer neuen Ferienhütte verbringen sollten, die unmittelbar an einem der größten Seen der Region lag und bis zu 12 Leuten Platz bot. Der Vermieter der Hütte staunte auf jeden Fall nicht schlecht, als wir mit Gepäck für 8 Leute ankamen, allerdings nur drei Personen aus dem Auto stiegen. Die Zimmereinteilung erwies sich im Folgenden auch als relativ problemlos, da jeder von uns eigentlich hätte zwei Zimmer nutzen können. Volker bezog schließlich das Erdgeschoss der Hütte, während Thomas und ich uns das große „Königszimmer“ im Obergeschoss mit dem gewaltigen Elchgeweih an der Wand teilten. Von hieraus hat man einfach den perfekten Blick auf den See und die morgendlichen Sonnenaufgänge, so dass wir noch am ersten Tag unserer Ankunft beschlossen, dass zukünftig den Königen unserer Angelurlaube dieses Zimmer vorbehalten bleiben sollte.
Vom anglerischen her war der Urlaub vor allem durch das Forellenfischen an dem im letzten Jahr neu entdeckten Fluss Uvan geprägt. Nach dem ich im Sommer 2003 hier noch eine große Forelle im letzten Moment fangen und mir so den Königstitel sichern konnte, erwies sich der Fluss dieses Jahr bei intensiver Fischerei als wahres Forellenparadies. Insbesondere die Stelle am Auslauf des Seitenarms, von der man sowohl im Seitenarm selber als auch im Hauptfluss fischen konnte, erwies sich dabei als Hotspot, den wir immer wieder in diesem Urlaub ansteuerten. Dabei stellte sich nach einiger Zeit eine Stelle in gut 30 Metern Entfernung und direkter Verlängerung des Auslaufs als ideal heraus, da hier die Fische quasi übereinander standen. Wir ließen unsere Wasserkugeln an freier Leine durch die Strömung an die besagte Stelle treiben und stoppten die Drift dann unmittelbar davor. Dadurch trieb der angeköderte Tauwurm etwas auf und genau in diesen Momenten bissen die Forellen zu. Der Biss war neben dem Abtauchen der Kugel auch durch den Fingerkontakt mit der Schnur sehr gut zu spüren, so dass wir mit zunehmender Zeit nicht mehr auf Sicht, sondern nur noch auf die Bewegung der Schnur in den Fingern achteten und so mit besonders leichten Montagen fischen konnten. Die gefangene Stückzahl an Forellen übertraf unsere Vorstellungen letztlich um ein weites und wir waren wirklich froh, eine so gute Angelstelle gefunden zu haben.

Leider hat das am Anfang des Seitenarms liegende Wasserkraftwerk aufgrund der zurückgegangenen Wasserstände seit 2004 den Betrieb vorläufig eingestellt, so dass die Angelei hier nie mehr so erfolgreich war, wie in diesem Jahr. Insgesamt betrachtet gehören diese Momente sicherlich zu den schönsten Erinnerungen bzgl. der Forellenangelei, da sie nicht nur überaus erfolgreich sondern auch ungeheuer spannend waren.
Das Hechtangeln war in diesem Sommer vor allem durch viele kleine Fische geprägt, die sich in aller Regel zwischen 50 und 70 Zentimeter bewegten. Die wirklich großen Fische hatten sich schon wieder in die Freiwasserzonen der Seen zurückgezogen und waren nur sehr schwer zu befischen. Zudem herrschte fast den ganzen Urlaub schönstes Wetter mit starkem Sonnenschein und wenig Wind, was uns die Angelei zusätzlich erschwerte. Doch dieses sollte sich zum Ende des Urlaubs ändern. Während Tags zuvor noch richtig schönes Wetter war, zogen an diesem Morgen plötzlich Wolken auf, die neben ersten Regenschauern auch ordentlich Wind mit sich brachten. Das wollten wir natürlich nutzen und machten uns gleich vormittags auf dem Weg zum Storsjön, der in den letzten Tagen noch die meisten Hechte hervorbrachte.
Dort angekommen, merkten wir gleich beim Rausfahren mit dem Boot, das sich die Situation am Wasser merklich geändert hatte. Die spiegelglatte Wasseroberfläche der letzten Tage war einem starken Wellengang gewichen, der uns das Rudern erheblich erschwerte. Zudem peitschte uns der Regen ins Gesicht, so dass alles andere als ein angenehmer Tag auf dem Boot zu erwarten war. Nun ja, die Fänge sollten uns letztlich entschädigen, dachten wir und ruderten vollen Mutes den Hotspots entgegen.
Wie immer zeigten sich tagsüber nur sehr vereinzelt ein paar Hechte, die wir vor allem beim Schleppen in Ufernähe erwischten. Diese Tatsache und vor allem das Wetter ließen in uns dann recht schnell den Wunsch einer ersten Pause hochkommen, die wir auf einer kleineren Insel im Schutz mehrerer Bäume verbrachten. Bei einem gemütlichen Lagerfeuer und einem Kaffee beschlossen wir die Nachmittags- und Abendstunden ausschließlich mit dem Schleppen im Freiwasser zu verbringen.

Im Gespräch am Lagerfeuer hatten wir uns an einen Tipp von einem Einheimischen erinnert, der uns empfahl, einen bestimmten Gewässerabschnitt im See immer wieder mit dem Boot zu kreuzen, da hier schon vermehrt große Hechte gefangen worden sein sollten. Irgendwie mussten doch auch wir an diese großen Hechte herankommen…
Nach einer Weile legten wir wieder von der Insel ab und ruderten zielstrebig auf das besagte Gebiet im See zu. Wir hatten damals noch kein Echolot geschweige denn ein GPS-Gerät im Einsatz, so dass wir uns ausschließlich auf die Erzählung des Tippgebers verließen und die von ihm erläuterten, markanten Uferpunkte als Wegweiser nutzten. Die erste Fahrt durch das Seestück brachte uns keinen Biss und war angesichts des Gegenwindes auch extrem anstrengend zu rudern, so dass wir uns auf der Rückfahrt zumindest weniger Anstrengung versprachen.
Auf Höhe einer weit in den See hinein ragenden Halbinsel machten wir kehrt und steuerten wieder auf die Insel zu, von der wir nachmittags abgelegt hatten. Thomas, der am Rudern war, merkte man die Entlastung durch den jetzt für uns arbeitenden Wind deutlich an, da er doch erheblich langsamer rudern konnte. Unsere Wobbler liefen etwa 20 bis 30 Meter hinter dem Boot in geschätzten 4 bis 5 Metern Tiefe, als plötzlich Volker einen Biss bekam. „Ooh, Stopp“ sagte er, „ich glaube, ich habe einen Hänger.“ Und es sah tatsächlich so aus, als ob er mit seinem Köder irgendwo fest hing, da in der Rute selber nicht das typische Schlagen eines Fisches zu erkennen war. „Ich glaube, ihr solltet mal eure Wobbler reinholen, damit wir zurück fahren und den Hänger lösen können.“ Gesagt, getan - Thomas stoppte das Boot und versuchte es gegen den Wind zu drehen, um in Richtung des Hängers zu rudern, während ich die beiden anderen Ruten reinholte. „Moment mal, ich glaube, das ist doch kein Hänger“ sagte Volker. „Wir rudern doch gerade darauf zu, aber irgendwas nimmt mir trotzdem Schnur von der Rolle.“ Und tatsächlich, die Spule seiner Rolle gab ordentlich Schnur frei und diese wurde merklich weniger. „Das ist ein Großer“, entgegnete Thomas sofort und versuchte Volker, der im Heck des Bootes saß, durch Drehen des Bootes wieder in Richtung des Fisches zu stellen. „Der ist echt gut, den lass ich jetzt erstmal schön ne Runde laufen“ antwortete Volker und ergänzte „Seht ihr mal zu, dass ihr jetzt schleunigst die anderen Angeln reinholt.“ Meine Rute war schon fast an Bord, so dass ich mich nun auch endlich um die Angel von Thomas kümmern konnte. Durch das zweifache Drehmanöver des Bootes war dieses jedoch bereits über die Schnur getrieben, so dass sich dass als äußerst schwierig darstellte. Zudem war die Schnur auch noch im Ruder verdreht, so dass Thomas erstmal das Ruder aus der Halterung nahm und versuchte die Schnur zu lösen. Volker war währenddessen voll und ganz mit dem Drill seines Fisches beschäftigt und ließ sich dabei durch nichts stören.
Dann passierte es: Beim wieder Einsetzen des Ruders in die Halterung machte sich dieses irgendwie selbstständig und entglitt Thomas und mir über die Bordwand. Durch den starken Wind waren wir innerhalb von Sekunden so weit vom Ruder abgetrieben, dass es vom Boot aus nicht mehr zu erreichen war. Sofort versuchten wir, mit unseren Wobblern das Ruder zu überwerfen und beim Einkurbeln heranzuholen. Doch da war ja auch noch Volker, der seinen Großhecht mittlerweile in der Nähe des Bootes hatte, so dass wir unsere Bemühungen, das Ruder zu retten, erstmal einstellten.

Bedingt durch die Tatsache, dass wir nur noch ein Ruder hatten, waren wir mittlerweile ein gutes Stück weit von der Anbissstelle des Hechtes abgetrieben. Das hatte jedoch den Vorteil, dass wir mitten über dem Freiwasser waren und Volker nun keine großen Hindernisse im Wasser zu befürchten hatte, die den Verlust des Fisches hätten mit sich bringen können. So wurde der Hecht schließlich mit aller Ruhe ausgedrillt und mit vereinten Kräften ins Boot geholt. Als der kapitale Fisch im Boot lag und wir uns von den ersten Glücksschreien erholt hatten, holte uns die Realität wieder ein. „Scheiße, wie kriegen wir denn jetzt das Ruder zurück?“ fragte ich in die Runde und guckte dabei in Richtung des Ausgangspunktes des spektakulären Drills, um eventuell irgendwo ein langes Stück Holz an der Wasseroberfläche zu orten. „Ich sehe das Ruder dahinten im Wasser treiben.“ sagte Thomas und deutete auf irgendeinen Punkt am Horizont. „Also ich sehe gar nichts.“ entgegneten Volker und ich fast gleichzeitig, während wir unsere Augen zusammenkniffen und aufs Wasser starrten. „Doch, doch, das Scheißding schwimmt dahinten vor der großen Steingruppe.“ wiederholte Thomas und fügte an „Am besten, einer von uns schnappt sich das übrig gebliebene Ruder und versucht dann, das Boot im Kanustil zum anderen Ruder hinzubewegen.“ „Nun gut,“ sagte ich, „da ich in der Spitze vom Boot sitze, gib mir mal das Ruder, ich werde mal mein Glück versuchen.“ Gesagt, getan, ich nahm mir also das Ruder, drehte mich in Richtung des Bugs und versuchte mit jeweils einem Ruderschlag links und dann einem Ruderschlag rechts unser Boot in Richtung der Steingruppe zu bewegen. Mit dem Gegenwind war das natürlich nicht besonders einfach, so dass nach rund 5 Minuten Thomas übernehmen musste. Der stellte sich hinter mir aufrecht ins Boot und versuchte im Stile eines Gondoliere das Boot zu bewegen. Irgendwann nach unglaublich vielen Ruderwechseln zwischen Thomas und mir - Volker war noch dabei, seinen Hecht zu versorgen - erreichten wir mit unseren letzten Kräften das im Wasser treibende Ruder. „Jetzt brauch ich erstmal ein Bier und ´ne Kippe“ sagte ich zu Thomas, der auch schon dabei war, an das Ufer zu rudern.
Am Ufer angekommen, legte Volker seinen Hecht zum Messen ans Ufer und wir realisierten erstmals, wie groß das Tier überhaupt war: Der Fisch hatte tatsächlich eine Länge von 1,25 Meter. Das war einfach ein unglaublicher Hecht. Wir waren in dem Moment alle so beeindruckt, dass wir die nächsten Minuten einfach nur schwiegen. Dann hörte ich ein bekanntes Geräusch in meinem Rücken. Plopp. „So Jungs, auf den Fang müssen wir erstmal einen trinken! Denn das dürfte wohl der Fisch meines Lebens sein“ sagte Volker und reichte auch schon das Pils herum.

Da hatte er Recht. So einen Hecht fängt man wirklich nicht alle Tage und dieser Abend wird uns wohl allen in Erinnerung bleiben.
Dieser Beitrag stellt die Meinung des Teilnehmers am Autorenwettbewerb dar und muss nicht der Meinung des Vereins und seiner Vertreter entsprechen.
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