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Forelle im letzten Moment Drucken E-Mail
Geschrieben von: Daniel Manegold   
Freitag, den 21. August 2009 um 00:00 Uhr

Dieser Beitrag hat am Autorenwettbewerb in der Kategorie Fliegenfischen teilgenommen und den x. Platz erreicht.


 

Es war der letzte Tag unseres Schwedenurlaubs im Spätsommer 2003. Wir saßen morgens am Frühstückstisch in unsere Ferienhütte in Langrösta bei Kaffee und Brötchen zusammen und machten uns darüber Gedanken, wie wir diesen Tag verbringen wollten.

Das Schleppangeln auf Hecht war in den letzten Tagen nicht sehr erfolgreich gewesen, so dass wir unser Boot schon am Vorabend aus dem Storsjon genommen und mit zur Hütte gebracht hatten. Auch im Ämten, an dem das Boot unseres Bekannten Dieter lag, schienen die Fische nicht so recht von unseren Ködern überzeugt zu sein. Überhaupt war das Hechtangeln in diesem Jahr nicht unsere Paradedisziplin. Zwar konnten wir in den letzten Tagen durchaus einige der schön gezeichneten Räuber landen, jedoch waren diese nicht in der Größe, in der wir sie uns doch alle vorher so erhofft hatten. In der Diskussion am letzten Abend einigten wir uns darauf, dass die fehlenden Fänge an Großhechten hauptsächlich auf die Jahreszeit zurückzuführen sei und der Zeitraum Ende Juli bis Mitte August einfach nicht der Beste zum Hechtfischen in Schweden sei.

An diesem Morgen unseres letzten Urlaubstages kam nun bei Thomas die Idee auf, unser Boot noch einmal in den am Stadtrand von Hagfors gelegenen See Värmullen zu lassen und es dort auf Hechte zu probieren. Schließlich hatte er hier seinen ersten Meter-Hecht gefangen und überhaupt war der See ja in den letzten Jahren immer für einige schöne Fische gut. Wir einigten uns schließlich darauf, dass Thomas und ich es für die nächsten drei bis vier Stunden auf Hecht versuchen wollten und danach die anderen drei nach ihrem Besuch bei Günther und der Rückgabe des zweiten Bootes ebenfalls noch einmal dieselbe Zeit auf dem Värmullen verbringen würden.

Rund drei Stunden und etliche Ruderrunden später waren Thomas und ich wieder in Sichtweite unserer Ablegestelle angelangt. Abgesehen von ein paar Barschen und dem noch intakten Kescher eines Fliegenfischers, immerhin der besondere Fang des Jahres 2003, hatten wir in unseren letzten Urlaubsstunden keinen großen Hecht mehr landen können.

Dem Ufer immer näher kommend sahen wir auch schon Volker, Jörg und Christian, deren lachende Gesichter schon von weitem verrieten, dass in der Zwischenzeit etwas passiert sein musste. Kaum dem Boot entstiegen, hielten uns die drei einen großen Malereimer voller Forellen vor die Nase, wovon eine schöner als die andere war. Das waren keine Forellen wie man sie aus den deutschen Teichen kannte. Nein, das waren alles große Lachsforellen, stramm genährt und im Durchschnitt um die 40cm groß. Das Erstaunen von Thomas und von mir war nicht zu übersehen. „Tja, da seid ihr wohl platt.“ war der erste Spruch, den wir, kaum am Ufer, von Christian zu hören bekamen. Und das waren wir tatsächlich. In den Tagen zuvor hatten wir es alle zusammen mehrere Male auf Forellen probiert. Wir waren in Musafisket, probierten es in Hagfors an einem See und wagten auch einen Versuch mitten in der Wildnis an einem unbekannten, wild vor sich hinrauschenden Bach. Doch Forellen hatten sich in den zurückliegenden Tagen keine fangen lassen. Und nun das - sieben schöne Regenbogenforellen, wovon die größte, von Volker gefangen, stolze 44 cm maß und rund anderthalb Kilo schwer war.



„Wie habt ihr das denn gemacht? Wo habt ihr die denn her? Wollt ihr uns jetzt verarschen?“ waren die Reaktionen von Thomas und von mir. „Raus mit der Sprache, wir wollen da heute auch noch hin!“ Mit der gebotenen Gelassenheit erklärten die drei uns schließlich dann, dass sie noch einmal in Musafisket waren und dort am Wehr ein richtig gutes Angeln erlebt hatten. „Musafisket? Jetzt wollt ihr uns wirklich verarschen, oder?“ Diesem wunderschönen, aber komplett fischleeren Fluss sollten die Forellen entstammen? Das konnte nicht sein. Doch versicherten uns alle drei, dass sie wirklich in Musafisket waren und dort richtig gut gefangen hatten.

Nach den obligatorischen Fotos und weiteren Details zu den Fängen, machten Thomas und ich uns auch schon mit fertig montierten Ruten auf dem Weg zum Auto. Dieses Forellenfest konnten wir uns nicht entgehen lassen.

Schon halb am losfahren, wurden die drei Forellenfänger plötzlich vom ihrem schlechten Gewissen eingeholt. „Moment mal, Jungs. Noch nicht losfahren. Wir müssen euch da noch was erzählen.“ Aha, wir hatten uns schon gedacht, dass da noch etwas hinterher kam. „Also direkt am Musafisket waren wir jetzt nicht.“ sagte Jörg und dann fing Volker an zu erzählen. „Vorhin sind wir ja bei Günther gewesen, um das Boot zurückzubringen und da sind wir halt ins Gespräch gekommen wie das Angeln in den letzten Tagen so war. Na ja, und der hat dann erzählt, dass direkt hinter seinem Haus im Fluss Uvan Forellen besetzt worden sind. Und da sind wir natürlich gleich los und haben die Chance genutzt.“ „So so, und uns wolltet ihr die 30 Kilometer zu Musafisket schicken.“

Nun ja, nachdem die drei uns auf der Karte zeigten, wo genau der Fluss verlief und wo sie geangelt hatten, drückten wir angesichts der auf uns zukommenden Forellenfänge ein Auge zu und machten uns auf den Weg, um noch ein bis zwei Stunden am Uvan zu fischen. Dieser Forellendrops war noch nicht gelutscht.

Etwa eine halbe Stunde später hatten wir den schönen Uvan gefunden, ein fantastischer Fluss nur unweit außerhalb Hagfors. An einem Wehr, welches das Wasser über einen etwa 50 Meter langen und rund fünf Meter breiten Seitenarm zurück in den Hauptfluss führte, starteten wir unseren ersten Versuch. Thomas stellte sich auf einen Stein und versuchte sein Glück direkt unter dem Wehr mit einem Tauwurm an der Wasserkugel während ich mit der Fliegenrute und einem kleinen Streamer etwas flussauf das gegenüberliegende Ufer abfischte. Nach dem dritten Wurf war es dann soweit und ich spürte nach dem Durchsacken des Streamers bis kurz vor den Grund gleich beim Anstrippen den ersten Biss. Ein kurzer Anschlag, der Fisch saß und setzte daraufhin auch gleich zur Flucht an. Dabei ging der Fisch etwa 20 Meter flussab, um sich dann mit seinem ganzen Gewicht in die Strömung zu stellen und mir das Leben schwer zu machen.

Aufgrund der Tatsache, dass ich durch unsere Eile bei der Hinfahrt zum Fluss einfach nur meine schwere Fliegenrute eingepackt und dadurch neben der starken Rute auch relativ dicke Schnur auf der Rolle hatte, machte mir das weniger Sorgen. Als problematisch könnte sich jedoch die Landung darstellen, da ich relativ hoch auf einem Stein stand und mit dem Fliegenkescher nicht einmal in die Nähe des Wassers kam. In den Fluss hineinwaten (barfuss mit hochgekrempelten Hosen) erwies sich nach einem überaus wackligen Versuch ebenfalls als zu gefährlich, so dass ich mich dazu entschloss, den Fisch gegen die Strömung und von Stein zu Stein hüpfend bis zu Thomas zu führen und dort im seichteren Wasser zu landen.

Dieses gelang schließlich ohne Probleme, so dass ich nach nur kurzer Zeit schon eine prachtvolle Regenbognerin von 45,5 Zentimetern vorweisen konnte. Nachdem der Fisch versorgt war gönnte ich mir am Ufer sitzend erstmal eine von den kubanischen Zigarren, insbesondere auch, weil die Mücken doch recht zahlreich am Fluss vertreten waren und sich über unseren Besuch wirklich sehr zu freuen schienen.



Im selben Monat sah ich aus dem Augenwinkel, wie die in einer ausgespülten
Ecke des Flusses liegende Wasserkugel von Thomas unterging und einen Moment später auch schon der Anschlag durch ihn erfolgte. Und auch dieser Fisch saß. Doch anstatt die Strömung für sich zu nutzen, schwamm der Fisch zuerst einmal gegen die Strömung in Richtung Wehr um dann urplötzlich umzudrehen und mindestens die doppelte Strecke in Fließrichtung zurückzulegen.

Nach etwa dreißig Metern kam dann leider das ziemlich abrupte Ende des Drills, da die Vorfachschnur gerissen war. „So eine Sch…“, brüllte Thomas hinter mir und montierte gleich ein neues, stärkeres Vorfach aus Fluorcarbon, dessen Haken er wieder mit einem schönen Tauwurm bestückte. Doch den Radau, den der große Fisch von Thomas auf seiner Flucht und meine kurz davor gefangene Forelle gemacht hatten, schienen erstmal alle anderen Fische verschreckt zu haben.

Leider konnten wir in der uns verbleibenden Zeit trotz mehrmaliger Platzwechsel nur noch einige kleine Barsche und das ein oder andere Rotauge erwischen, so dass wir schließlich mit einer Forelle zurück zum Ferienhaus fuhren.

Angesichts meines Sieges in der Forellenwertung mit einer Regenbognerin von 45,5 Zentimetern waren wir dennoch zufrieden. Volker, Jörg und Christian schienen recht
überrascht, dass wir überhaupt noch etwas gefangen hatten und durften nach dem gemeinschaftlichen Abendessen Thomas, dem Hechtkönig 2003, und meiner Wenigkeit als Forellenkönig 2003, erstmal ordentlich einen einschenken.



 


Dieser Beitrag stellt die Meinung des Teilnehmers am Autorenwettbewerb dar und muss nicht der Meinung des Vereins und seiner Vertreter entsprechen.

 

 
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