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Dieser Beitrag hat am Autorenwettbewerb in der Kategorie Allgemeines Fischen teilgenommen und den x. Platz erreicht.
Eine Woche Norwegen. Aber wohin? Auf Hitra fällt man wettertechnisch zu oft auf die Nase, die Lofoten lohnen sich für eine Woche nicht und ganz im Süden sind Meterfische einfach zu selten. Genau das aber ist das Ziel: Leng. Daher geht die Reise nach Kvernepollen auf die Inselkette Sotra ein paar Kilometer nördlich von Bergen. Dieses Revier ist bekannt für gute Leng-Gründe, für eine sehr abwechslungsreiche Fischerei auf dem Meer und im Fjord sowie für relativ gute Wetterbedingungen. Von der Anlage bis zum offenen Meer sind es mit dem 50-PS-Boot knapp zehn Minuten. Die felsige Küste bietet unzählige Unterwasserplateaus, tiefe Rinnen, steile Berge mit Seelachsschwärmen und entlang der Küste einige Hot Spots für die gezielte Angelei auf Pollack und Schellfisch. In den Sunden werden immer wieder tolle Seeteufel und Steinbeißér gefangen und im Juli kommt man an Makrelen gar nicht vorbei. Zwei bis drei Meilen vor der Küste gibt es sandige Abschnitte mit guten Chancen auf Heilbutt, auch Rotbarsch lässt sich gezielt beangeln. Wer gezielt auf Dorsch angeln möchte, ist in Kvernepollen dagegen nicht besonders gut aufgehoben. Die Bestände sind einfach zu dünn. Bei schlechtem Wetter und auflandigem Wind ist der Fjord eine Alternative. Mit dem Boot sind es fünf Minuten, das Wasser ist bis zu 300 Meter tief und mit ein bisschen Glück fängt man hier nicht nur Seelachse (in Tiefen von etwa 50 Meter) sondern auch kleine Haie – im Vergleich zum Meer aber ist der Fjord dennoch ein eher mittelmäßiges Revier. Denn unser Ziel sind lange Rinnen und felsige Plateus in Tiefen zwischen 120 und 200 Metern. Hier herrschen Leng und Lumb. Gleich am ersten Tag gibt es Alarm an Bord. Erst fühlt es sich an wie ein Hänger. Wir haben 90 Meter Wasser unter dem Kiel und sind kaum eine halbe Meile vom Land entfernt. Diese Rinne ist von der Anlage aus die erste gute Stelle für Leng. Steiniger Grund, nicht zu viel Strömung und von der Tiefe her schon im grünen Bereich. Klar kann man sich hier mal einen Hänger holen – aber ein bisschen merkwürdig fühlt sich die ganze Angelegenheit schon an. Wir fahren mit dem Boot der Schnur in großem Bogen entgegen. So lassen sich Hänger eigentlich ganz gut lösen. Tatsächlich gewinne ich Meter um Meter Schnur. Nur plötzlich ist es damit vorbei. Wir fahren zwar immer noch auf die Stelle zu, an der mein Haken hängt – doch es ist, als ob der Stein vor dem Boot davonschwimmt. Das ist kein Hänger! Das ist ein Fisch! Und was für ein Brocken. Jetzt ist Muskelkraft gefragt. Zehn Meter pro Minute – mehr ist nicht drin. Doch dann das! Knapp 15 Meter unter dem Boot steigt das Krokodil plötzlich aus. Ich kurbel die Montage hoch, betrachte kopfschüttelnd den total zerbissenen Köderfetzen und ärgere mich. Das wär er doch gewesen! Kapitän Ulf und sein Kumpel Torsten, die vergangenes Jahr schon in Kvernepollen waren, machen mir Mut. Wer einen Leng so weit hoch pumpt, muss eigentlich nur warten. Da der Fisch mit dem Druckausgleich nicht hinterherkommt, sei es wahrscheinlich, dass er doch noch an die Oberfläche treibe. Und tatsächlich! Nach ein paar Minuten taucht an Backbord in 200 Meter Entfernung ein großer weißer Bauch auf. Mein Leng! Jetzt aber schnell! Ein bisschen hektisch schmeißen wir den Motor an, versuchen unsere Angeln irgendwie zu verstauen und los! Das Gaff her! Schon attackieren die ersten Möwen den Fisch. Wir verzichten darauf, die Angeln komplett einzuholen (keine gute Idee...) und setzen Kurs auf den Küsten-Moby-Dick vor uns. Gut 1,40 Meter ist der Fisch lang, dazu richtig dick und bestimmt an die 20 Kilo schwer. Die Schwimmblase hängt ihm aus dem Maul, deshalb kann er nicht mehr tauchen. Möwen landen auf seinem Bauch und picken nach ihm. Der Leng wehrt sich, schlägt mit der Flosse, versucht abzutauchen. Wir sind jetzt noch 80 Meter vom Fisch entfernt. Soeben verheddert sich die erste Angelleine in der Schraube – wir hätten die Montagen doch schnell noch einholen müssen. Jetzt aber geht es nur noch um den Mega-Leng da vorne. Noch 60 Meter. Noch 40. 20. Ulf nimmt Fahrt raus und lässt das Boot langsam auf den Leng zu treiben. Heiko steht im Stile Captain Ahabs vorne im Bug und zielt mit dem Gaff. In diesem Moment packen Wind und Strömung das Boot und drücken uns vom Fisch weg. Mist! Daneben! Noch ein Anlauf. Wir müssen einen Bogen fahren und mit der Strömung auf den Fisch zu halten. Inzwischen sind gut zwei Dutzend Möwen vor Ort. Die Biester stürzen sich auf den Fisch und wir haben keine Chance, sie zu vertreiben. Jetzt noch zehn Meter. Noch fünf. In dem Moment hackt eine der Möwen dem Leng in die Schwimmblase. Nein! Bloß das nicht! Doch es ist zu spät. Der Fisch geht langsam unter und wir haben keine Chance, ihn mit dem Gaff noch zu kriegen. So ein Ärger. Wirklich schade um das schöne Tier. In den folgenden Tagen haben wir mehr Glück. Mittags und abends kehren wir mit gut gefüllten Fischkisten zur Anlage zurück. Genug Filet haben wir schon nach drei Tagen. Aber so ein richtiger Brummer ist nicht dabei. Wir fangen ein knappes Dutzend Leng mit jeweils etwa einem Meter Länge aber kein richtig großes Krokodil mehr. Dazu hieven wir an guten Tagen 15, 20, manchmal 25 Lumb ins Boot. Gut für die Küche, gut für die Stimmung an Bord – aber eben nichts im Vergleich zu dem Monster vom ersten Tag. Dem Trip nach Norwegen haben wir wochenlang entgegengefiebert. Wir haben vom Schrotthändler Blei gekauft und Pilker gegossen, haben Montagen für die Tiefsee gebunden und so die Kosten der ganzen Reise deutlich erträglicher gestaltet. Ein Kilo Blei kostet beim Altmetallhändler etwa 2 Euro. Im Internet werden hervorragende Gussformen angeboten, mit denen das Pilkergießen nicht nur leicht von der Hand geht sondern auch von vornherein sehr gute Ergebnisse zu erzielen sind. Mit gut 10 Kilo pro Person lassen sich ausreichend Pilker und Naturköderbleie herstellen, um wirklich eine Woche lang durchzuangeln. Ein ähnlicher Bleivorrat aus dem Angelgeschäft unseres Vertrauens hätte pro Nase locker mit 200 Euro zu Buche geschlagen. Mit den Selbstbau-Bleien aber macht es nichts, wenn man beim Naturköderangeln auf Grund mal wieder einen Hänger hat. Um in der Tiefe auf Leng und Lumb erfolgreich zu sein, darf man bei den Montagen nicht zu kleinlich sein. Als Vorfachschnur haben wir auf einen Millimeter starkes Monofil vertraut. Dazu richtig kräftige Wirbel und nicht zu viel Schnick-Schnack. Man kann sich an Land nicht vorstellen, wieviel Strömungsdruck auf eine Montage lastet, die in 200 Metern Tiefe über felsigen Grund schlurt. Ganz wichtig sind natürlich die Haken Makks in der Dimension 10/0 oder sogar 12/0 lassen sich hervorragend mit großen Fischfetzen von Köhler oder kleinem Lumb beködern. Von kleineren Haken kann man getrost die Finger lassen, so lange man nicht partout auf Rotbarsche aus ist. Die Makks gibt es oft in günstigen Fünfer-Packs und es reicht, für eine Montage zwei der langschenkligen Haken in jeweils einen Seitenarm einzuschlaufen. Ein knapper Meter Abstand zwischen den beiden Haken ist gut, auf diese Art ließen sich sogar Doubletten nach oben pumpen. Noch etwas: Wir haben überwiegend auf Endblei-Montagen gesetzt, da sie sich seltener vertüddeln als Nachläufermontagen. Als sehr fängig haben sich auch große Circle-Hooks erwiesen. Vor allem bei etwas mehr Wellengang und Strömung ist die Bisserkennung nicht immer einfach. Mit Circle-Hooks muss man nicht anschlagen, das ist mitunter sehr angenehm. Auf der Rückreise ist genug Zeit, Bilanz zu ziehen. Eine Woche ist arg wenig für einen Norwegen-Trip. Manchmal aber ist nicht mehr drin. Die Region um Bergen ist für so eine Reise ideal. Auch als Einstieger fängt man hier seine Fische, mit ein bisschen Glück sind richtige kapitale Biester drin und von Mai bis Oktober spielt in der Regel auch das Wetter gut mit. Unser nächster Trip ist daher schon in Planung. Und vielleicht wartet dann ja auch wieder ein richtiges Untier auf uns – bis dahin werden wir die Sache mit dem Gaff und dem Boot noch ein bisschen üben.
Dieser Beitrag stellt die Meinung des Teilnehmers am Autorenwettbewerb dar und muss nicht der Meinung des Vereins und seiner Vertreter entsprechen.
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